Wiener Cäcilien-Verein

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Wiener Cäcilien-Verein


Verein
Entstehung 1871
Hervorgegangen aus Verein zur Beförderung echter Kirchenmusik
Profil Wiener Kirchenmusikverein im Geist des Cäcilianismus
Ziel Förderung echter Kirchenmusik und Reform der Kirchenmusik im Geist von Kunst und Liturgie
Vereinsschule Organisten- und Chorregentenschule
Schulorte zunächst 1., Salvatorgasse 12, ab 1894 9., Ferstelgasse 4
Frühe Lehrer E. Stoiber, Josef Böhm
Vereinsorgan Wiener Blätter für katholische Kirchenmusik
Ende 1906 Fusion mit dem Ambrosius-Verein zum Allgemeinen Kirchenmusikverein

Der Wiener Cäcilien-Verein war ein bedeutender Wiener Kirchenmusikverein des späten 19. Jahrhunderts. Er ging 1871 aus dem älteren Verein zur Beförderung echter Kirchenmusik hervor und führte dessen Vereinsmusikschule weiter. Wie schon die Vorgängerinstitution schrieb auch der Wiener Cäcilien-Verein die Förderung echter Kirchenmusik in seinen Statuten fest.[1][2]

Geschichte

Die Wurzeln des Vereins reichen tief in die Wiener Kirchenmusikgeschichte zurück. Der ältere Verein zur Beförderung echter Kirchenmusik war 1827 als Kirchenmusik-Verein an der französischen Nationalkirche zu St. Anna gegründet worden und wurde 1840 unter diesem Namen neu konstituiert. Er verband Aufführungspraxis mit der Ausbildung angehender Lehrer und Kirchenmusiker.[3]

1871 entstand daraus der Wiener Cäcilien-Verein. Er orientierte sich an den Ideen der kirchenmusikalischen Reformbewegung des 19. Jahrhunderts und bezog sich ausdrücklich auf die von A. W. Ambros formulierten Gedanken zur Erneuerung der Kirchenmusik. 1879 formulierte der Verein als Ziel die Reorganisation der Kirchenmusik im Geiste der Kunst und Liturgie auf Grundlage des Gregorianischen Chorals, mit besonderer Wertschätzung der Kirchenmusik des 15. und 16. Jahrhunderts sowie vorbildlicher neuer Kompositionen.[4]

Die Vereinsgeschäfte wurden von einer siebenköpfigen Direktion geführt. Die Mitgliederzahl zeigt zugleich eine schrittweise Schrumpfung: 1873 zählte der Verein 113 Mitglieder, 1882 noch 80 und 1898 nur mehr 46.[5]

Schule und Ausbildung

Eine besondere Bedeutung hatte die Vereinsschule, die als Organisten- und Chorregentenschule geführt wurde. Zunächst befand sie sich in der 1., Salvatorgasse 12, ab 1894 in der 9., Ferstelgasse 4. Zum Lehrplan gehörten Orgelspiel, Musiktheorie, Gesang und weitere kirchenmusikalische Fächer. Für die Aufnahme wurden musikalische Grundkenntnisse vorausgesetzt; Anfänger hatten die Schule in der Regel drei Jahre zu besuchen.[6]

Als erste Lehrer wirkten E. Stoiber und Josef Böhm. 1875 zählte die Orgelschule 20 Schüler, dazu kamen je zehn Schülerinnen und Schüler in den Gesangsklassen. 1881/82 wurden bereits 50 Gesangsschüler und 30 Orgelschüler verzeichnet. Bis 1881 war diese Schule die einzige Lehranstalt für kirchliche Tonkunst in Österreich.[7][8]

Musikpflege und Vereinsleben

Während bei der Orgelmusik ein relativ breites Repertoire gepflegt wurde, war die Vokalmusik des Vereinschors fast ausschließlich cäcilianistisch geprägt. Gesungen wurden vor allem klassische Vokalpolyphonie und Werke jener Komponisten, die als mustergültig für die Reform der Kirchenmusik galten. Daneben plante der Verein auch Vortragszyklen zu Themen wie Orgelbau, Akustik und Geschichte der Kirchenmusik, was zeigt, dass man sich nicht nur als Aufführungsgemeinschaft, sondern auch als Bildungsverein verstand.[9]

Als offizielles Vereinsorgan dienten bis Mai 1880 die Wiener Blätter für katholische Kirchenmusik. Auch dadurch wirkte der Verein über seine unmittelbaren Aufführungen und seine Schule hinaus in die Wiener Kirchenmusikszene hinein.[10]

Ende

1906 fusionierte der Wiener Cäcilien-Verein mit dem Ambrosius-Verein zum Allgemeinen Kirchenmusikverein. Zugleich wurden die Schulen beider Vereine zur Lehranstalt für kirchliche Tonkunst zusammengeführt. Damit endete die eigenständige Geschichte des Vereins, seine Ausbildungsarbeit wirkte jedoch in der neuen Institution weiter.[11][12]

Bedeutung

Der Wiener Cäcilien-Verein war ein wichtiges Bindeglied zwischen älteren Wiener Kirchenmusikvereinen und den kirchenmusikalischen Reformbestrebungen des späten 19. Jahrhunderts. Seine besondere Bedeutung lag in der Verbindung von Vereinsleben, Aufführungspraxis und systematischer Ausbildung. Für Wien ist er deshalb sowohl musikgeschichtlich als auch bildungsgeschichtlich interessant.[13][14]

Vorkommen in CityABC

Für CityABC ist der Verein vor allem durch seine Schulorte in der Salvatorgasse 12 und in der Ferstelgasse 4 interessant. Darüber hinaus gehört er in den Zusammenhang von St. Anna, Ambrosius-Verein und Allgemeiner Kirchenmusikverein und damit in die breitere Geschichte der Wiener Kirchenmusik.[15][16]

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Quellen