Ambrosius-Verein

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Ambrosius-Verein


Verein
Entstehung 1880/1881
Voller Name Wiener St.-Ambrosius-Verein, ursprünglich Allgemeiner Kirchenmusik-Verein „St. Ambrosius“ in Wien
Gründer Josef Böhm
Profil cäcilianistisch geprägter Wiener Kirchenmusikverein
Ziel Pflege und Förderung der Kirchenmusik nach dem Geist und den liturgischen Gesetzen der katholischen Kirche
Vereinsschule Schule für Organisten, Chorsänger und kirchenmusikalische Ausbildung
Früh belegter Schulort 1., Franziskanerplatz 5
Ende 1906 Fusion mit dem Wiener Cäcilien-Verein zum Allgemeinen Kirchenmusikverein

Der Ambrosius-Verein war ein cäcilianistisch geprägter Wiener Kirchenmusikverein. Er entstand 1880/81 aus einem Richtungsstreit innerhalb des Wiener Cäcilien-Vereins und wurde von Josef Böhm gegründet. Sein Ziel war die Förderung der Kirchenmusik nach dem Geiste und den liturgischen Gesetzen der katholischen Kirche.

Geschichte

Im November 1880 wollte Josef Böhm zunächst einen niederösterreichischen Kirchenmusikverein gründen, der unter der Aufsicht und dem Schutz der Kirche stehen sollte. Nach Einholung der Genehmigung des Wiener Fürsterzbischofs wurden die Statuten des neuen Vereins, nun unter dem Namen Allgemeiner Kirchenmusik-Verein „St. Ambrosius“ in Wien, Ende Dezember 1880 eingereicht. Die behördliche Nichtuntersagung erfolgte am 14. Jänner 1881, die konstituierende Vereinsversammlung fand am 10. Februar 1881 statt.

Josef Böhm wurde im März 1881 Vereinskapellmeister und leitete damit auch die Vereinsschule. Otto Müller wurde Chormeister. Böhm blieb bis zu seinem Tod 1893 die prägende Figur des Vereins. Der jeweilige Fürsterzbischof von Wien fungierte als Protektor, was den engen kirchlichen Bezug der Vereinigung deutlich macht.

Ziele und Tätigkeit

Der Verein wollte die Kirchenmusik nicht nur aufführen, sondern aktiv formen. Zu seinen Aufgaben gehörten die Ausbildung von Organisten und Chorsängern in einer Vereinsschule, Fortbildungskurse für bereits tätige Organisten und Chordirigenten, die Bildung eines Vereinschors, die Empfehlung guter Musikalien, die Anlage einer Bibliothek sowie die Verbreitung kirchenmusikalischer Grundsätze in Wort und Schrift.

Als Vereinszeitschrift erschien das Ambrosius-Blatt, das allerdings bereits 1883 wieder eingestellt wurde. Der Verein veranstaltete Konzerte in Wien, unter anderem im Bösendorfer- und im Ehrbar-Saal, und trat auch außerhalb Wiens auf. Ein besonderes Echo fand 1892 ein Konzert mit Alter Musik im Rahmen der Internationalen Ausstellung für Musik- und Theaterwesen.

Schule und Ausbildung

Ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit war die kirchenmusikalische Ausbildung. Josef Böhm gründete zunächst im Herbst 1880 eine private Organisten- und Chorregentenschule, das Institut für Kirchenmusik, am Franziskanerplatz 5 im 1. Bezirk. Daraus entwickelte sich die Vereinsschule des Ambrosius-Vereins.

Die Schule war ein Konkurrenzmodell zur Schule des Wiener Cäcilien-Vereins. Laut dem Österreichischen Musiklexikon gingen aus ihr allerdings zumeist Gesangsschüler und nur in geringerem Maß eigentliche Kirchenmusiker hervor. 1898 wurde zusätzlich eine Filiale für Kirchenchorsänger in der Pfarre Lichtental eingerichtet. Mit Ende des Schuljahrs 1898/99 verlor die Lehranstalt ihre bis dahin unentgeltlich überlassenen Räume; ob sie danach noch weitergeführt wurde, ist unklar.

Spaltungen und Ende

1887 kam es erneut zu einem Richtungsstreit im Verein. Dabei trat unter anderem Gottfried Marschall aus und gründete 1889 an der Votivkirche einen eigenen Kirchenmusikverein gemäßigterer Prägung. Diese Konflikte zeigen, dass auch innerhalb der kirchenmusikalischen Reformbewegung unterschiedliche Vorstellungen

1906 wurde der Wiener St.-Ambrosius-Verein aufgelöst, weil die Fusion mit dem Wiener Cäcilien-Verein zum Allgemeinen Kirchenmusikverein bevorstand. Mit dieser Vereinigung wurden auch die Schulen beider Vereine zur Lehranstalt für kirchliche Tonkunst zusammengeführt.

Bedeutung

Der Ambrosius-Verein war eine wichtige Wiener Trägerorganisation des Cäcilianismus. Er verband Vereinsleben, Aufführungspraxis, Unterricht und kirchenmusikalische Programmatik. Seine Geschichte zeigt, wie lebendig und zugleich konfliktreich die Wiener Kirchenmusikszene im späten 19. Jahrhundert war.

Für CityABC ist der Verein vor allem im Zusammenhang mit Franziskanerplatz, Wiener Cäcilien-Verein, Votivkirche und Allgemeiner Kirchenmusikverein interessant. Er gehört damit sowohl zur Musikgeschichte als auch zur Religionsgeschichte Wiens.

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Quellen