Nikolaikloster

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Verschwundenes Wien
Nikolaikloster

Das verschwundene Nikolaikloster

Das Nikolaikloster befand sich im Bereich der heutigen Adressen Singerstraße 13 bis Singerstraße 15, Grünangergasse 10–12 sowie Nikolaigasse 1 und Nikolaigasse 2. Seine Geschichte reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück und spiegelt die wechselvolle Entwicklung des Wiener Stadtlebens zwischen Klosterwesen, Gelehrsamkeit, sozialer Fürsorge und josephinischer Umgestaltung wider.

Kloster und Schule der Zisterzienser:innen

Den Anfang machte ein Tochterkloster der Zisterzienserinnen, das ab 1272 in einem gestifteten Haus eingerichtet wurde. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1275, als die Anlage feierlich geweiht wurde. Das Kloster stand unter der Aufsicht des Stiftes Heiligenkreuz und war eng mit dem älteren Nikolaikloster vor dem Stubentor verbunden. Schon früh besaßen die Nonnen auch angrenzende Gebäude, die wirtschaftlich genutzt und vermietet wurden.

Im Jahr 1385 wurde das Kloster den Nonnen entzogen und den Zisterziensern zur Einrichtung einer Ordenslehranstalt übergeben. Diese Schule entwickelte sich zu einem bedeutenden Studienort im Umfeld der Universität Wien. Im 15. Jahrhundert mehrten sich jedoch bauliche und organisatorische Probleme. Mehrfach wurde versucht, den Lehrbetrieb zu stabilisieren und neue Schüler zu gewinnen, doch der Niedergang ließ sich nicht aufhalten.

St. Georgs-Orden und Zerstörung

1481 erhielt der St.-Georgs-Orden die Anlage als Wiener Sitz. Diese Nutzung blieb jedoch nur vorübergehend. Bereits 1494 wurde erneut eine zisterziensische Lehranstalt eingerichtet, die jedoch ebenfalls unter schwierigen Bedingungen stand. Baufälligkeit, fehlende finanzielle Unterstützung und schließlich die Zerstörungen der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts führten dazu, dass der Komplex zunehmend verfiel.

Nach dem großen Stadtbrand von 1525 und der Ersten Türkenbelagerung von 1529 war das Gebäude schwer beschädigt. Dennoch wurde es vorübergehend noch von geflüchteten Nonnen genutzt. 1535 schenkte König Ferdinand die Anlage dem Wiener Bischof Johann Fabri, der hier ein Studentenheim einrichtete. Auch diese Nutzung war nur von kurzer Dauer.

Franziskaner und ein Waisenhaus

Ab 1545 übernahmen die Franziskaner das Gebäude, nachdem sie ihr ursprüngliches Kloster verloren hatten. Später diente das ehemalige Kloster ab 1589 als Waisenhaus für arme Bürgerstöchter. Damit erhielt der Ort eine neue soziale Funktion, bevor er im 17. Jahrhundert erneut zu einem klösterlichen Zentrum wurde.

Die Clarissen im Kloster und Aufhebung

Eine neue Blüte begann 1625 mit der Gründung eines Clarissenklosters durch Kaiserin Eleonore. Für die Clarissen wurde zwischen 1652 und 1653 eine neue Kirche errichtet, später auch das Konventgebäude umfassend erneuert und vergrößert. Die Anlage umfasste schließlich Kirche, Prälatur, Noviziat, Kreuzgang, Wohnzellen, Wirtschaftsbereiche und einen Klostergarten. Die Kirche war im Jesuitenstil erbaut und besaß mehrere bemerkenswerte Ausstattungsstücke, darunter das Gnadenbild Maria, Heil der Kranken.

Mit den Reformen Josephs II. endete die Geschichte des Klosters. 1782 wurde das Clarissenkloster aufgehoben, 1785 wurden Kirche und Konvent abgebrochen und das Grundstück neu parzelliert. Auf dem Areal entstanden bürgerliche Wohnhäuser. Ein steinerner Schlussstein aus der Bauzeit der Clarissenkirche hat sich im Hof von Singerstraße 13 erhalten und erinnert bis heute an die frühere Klosteranlage.

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Quellen