Nikolaigasse 2

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Das Gebäude

Ein Bild.

Bezirk
1., Innere Stadt
Aliasadressen
=Singerstraße 13
=Nikolaigasse 2
Konskriptionsnummer Stadt
vor 1862: 885
vor 1847: 885
vor 1821: 939
vor 1795: 874
Baujahr
1785-1787
Architekten (Bau)
Nikolas Scheuch
Inhaltslizenz: CC-BY-SA 4.0


Das Haus - Architektur und Geschichte

Das heutige Haus Nikolaigasse 2, auch Singerstraße 13, wurde nach der Aufhebung und Demolierung des Nikolaiklosters in josephinischer Zeit errichtet. Der Bau entstand ab 1785 an Stelle des ehemaligen Klosterareals und wird Nikolaus Scheuch zugeschrieben. Architektonisch gehört das Gebäude zum josephinischen Plattenstil und ist auch deshalb bemerkenswert, weil in ihm noch mehrere Spuren des früheren Klosterkomplexes erhalten geblieben sind.

Besonders eindrucksvoll sind die im Haus bewahrten Reste des Nikolaiklosters. Im Hof ist der Schlussstein der ehemaligen Kirche eingemauert; darunter befindet sich die Inschrift: „Anno Domini 1652 ist diese Kirchen sampt dem Thurm von Grund new erpawt worden“. Ebenfalls im Hof befindet sich eine Nische mit einer Madonnenfigur. Im ersten Stock der Stiege 1 ist ein roter Marmorsstein in den Boden eingelassen, der als Gruftplatte für mehrere Nonnen oder Priester gedeutet wird; sichtbar sind ein Kreuz sowie die Jahreszahlen 1632, 1742 und 1753. Ein ähnlicher Stein befindet sich auch im dritten Stock. Damit zählt das Haus zu jenen Wiener Gebäuden, in denen Bauteile und Erinnerungsstücke des Vorgängerbaus nicht nur überliefert, sondern unmittelbar am Ort ablesbar geblieben sind.

Vorgängerhäuser

Vor der Errichtung des heutigen Hauses befand sich an dieser Stelle ein Teil des Nikolaiklosters, eines traditionsreichen Klosterareals, das seit dem 13. Jahrhundert im Bereich von Singerstraße, Grünangergasse und Nikolaigasse bestand. Nach der Zeit der Zisterzienserinnen, einer Ordenslehranstalt, der Nutzung durch Franziskaner und als Waisenhaus wurde hier im 17. Jahrhundert ein Clarissenkloster eingerichtet. Zwischen 1652 und 1653 entstand auf dem Areal eine neue Kirche im Jesuitenstil, die mit ihrer Front zur Singerstraße lag. Sie besaß ein hohes Ziegeldach und einen kleinen kupfergedeckten Turm mit drei Glocken.

Das Kloster wurde 1782 im Zuge der josephinischen Reformen aufgehoben. Kirche und Konventgebäude wurden 1785 abgetragen, das Grundstück neu parzelliert und mit privaten Wohnhäusern verbaut. In diesem Zusammenhang wurde auch die Nikolaigasse neu angelegt. Das heutige Haus steht somit nicht nur auf historischem Boden, sondern bewahrt mit seinen eingemauerten Steinen und Spolien bis heute sichtbare Erinnerungen an das ehemalige Nikolaikloster.

Interessante Details

Mit der Adresse ist der Arzt Dr. Sigmund Ritscher verbunden, der 1893 mit Singerstraße 13 genannt wird. Ob es sich dabei um einen Wohnsitz oder eine Praxisadresse handelte, bleibt vorerst offen.[1]

Ein besonders interessantes Kapitel der jüngeren Hausgeschichte ist ein hier untergebrachtes Heimatmuseum. Mitte der 1960er Jahre befand sich im 3. Stock des Hauses das Erste österreichisch-schlesische Heimatmuseum, das mit Annie Theuer-Krause verbunden war.[2]

Im 19. Jahrhundert befand sich hier das Gasthaus Zum Amor, das als Treffpunkt von Musikern beschrieben wird.[3]

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Quellen