Anstalt für Frauenhausindustrie, Wien

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Anstalt für Frauenhausindustrie, Wien


Institution
Gründung 1879
Namensformen Wiener k. k. Zentralspitzenkurs, k.k. Anstalt für Frauen-Hausindustrie in Wien, Zentralspitzenkurs
Sitz Wien 1, Annagasse
Profil Ausbildungs- und Produktionsstätte für Spitzen- und Hausindustrie, Lehrerinnenausbildung, Entwurf und Vermarktung
Wichtige Personen Josef Storck, Franziska Pleyer, Adelheid Richter, Margarete Geyling
Auflösung nicht gesichert

Die Anstalt für Frauenhausindustrie, Wien war eine bedeutende Wiener Ausbildungs- und Förderinstitution für Spitzenherstellung und textile Hausindustrie. Ihre Wurzeln reichen in das Jahr 1879 zurück, als der Wiener k. k. Zentralspitzenkurs eingerichtet wurde. 1908 erfolgte die Umbenennung in Anstalt für Frauenhausindustrie. Der Sitz befand sich in der Annagasse im 1. Bezirk.[1]

Geschichte

Im Anschluss an die Wiener Weltausstellung von 1873 entstanden Bestrebungen, die heimische Spitzenproduktion zu verbessern. Hintergrund war, dass die österreichische Spitzenherstellung im internationalen Vergleich als nicht konkurrenzfähig galt. 1879 wurde daher der Wiener k. k. Zentralspitzenkurs gegründet, aus dem später die Anstalt für Frauenhausindustrie hervorging.[2]

Der sechs- bis zehnmonatige Lehrgang vermittelte Fertigkeiten im Spitzennähen und Spitzenklöppeln; ab 1901 kam auch die Herstellung von Häkelspitzen hinzu. Ziel war nicht nur die handwerkliche Ausbildung, sondern auch die Entwicklung neuer Muster und Techniken sowie die Ausbildung von Lehrerinnen für Fachschulen. Über die gesamte Monarchie verteilt entstanden Filialschulen, während die in diesen Schulen gefertigten Arbeiten gemeinschaftlich in Wien vermarktet wurden.[3]

1882 übernahm Josef Storck die Gesamtleitung. Franziska Pleyer war für den Unterricht im Spitzennähen zuständig, Adelheid Richter für das Spitzenklöppeln. Ende 1904 übernahm Margarete Geyling die Internatsleitung für die Lehrgangsteilnehmerinnen. Gleichzeitig wandelte sich der Zentralspitzenkurs zunehmend zu einer Lehrerinnenbildungsanstalt; daneben wurde auch eine Erwerbschule eingerichtet.[4]

1908 wurde der Zentralspitzenkurs offiziell in Anstalt für Frauenhausindustrie umbenannt. Zu dieser Zeit wurden nach den Angaben der ÖNB-Datenbank rund 8.000 Schülerinnen von 78 Lehrkräften unterrichtet. Die Erzeugnisse der Anstalt wurden auf Ausstellungen gezeigt, von Modehäusern in Auftrag gegeben und auch in der ausländischen Presse besprochen.[5]

Kunsthandwerk und Bedeutung

Besondere Anerkennung erlangte die Wiener Spitzenproduktion um 1900. Auf der Pariser Weltausstellung von 1900 war die österreichische Spitze sehr erfolgreich. Hervorgehoben wurden vor allem hochwertige Kunstspitzen nach Entwürfen von Mathilde Hrdlička, Johann Hrdlička und Franziska Hofmanninger, die im Umfeld des Spitzenzeichenateliers des Kunstgewerbemuseums und des Zentralspitzenkurses ausgeführt wurden. Das zeigt, wie eng Ausbildung, Entwurf und kunstgewerbliche Produktion miteinander verbunden waren.[6]

In den Jahren nach 1900 wurde am Zentralspitzenkurs eine eigene Marketingabteilung eingerichtet. Sie sollte die technische Qualität weiter heben und die wirtschaftliche Verwertbarkeit der heimischen Spitzenhausindustrie im In- und Ausland stärken. Die Institution war damit nicht nur Schule, sondern auch ein Instrument der Gewerbeförderung und des kunstgewerblichen Exports.[7]

Erster Weltkrieg

Mit dem Ersten Weltkrieg geriet die Spitzenproduktion stark unter Druck. Die Anstalt versuchte, die Erwerbsmöglichkeiten der Spitzenarbeiterinnen durch Aufträge zur Herstellung von Militärwäsche aufrechtzuerhalten. Laut der ÖNB-Datenbank geschah dies jedoch nur mit geringem Erfolg.[8]

Vorkommen in CityABC

Für CityABC ist die Anstalt für Frauenhausindustrie vor allem als frühe Wiener Ausbildungsstätte für Frauen im Bereich Kunstgewerbe und textile Hausindustrie interessant. Ihr Sitz in der Annagasse verbindet sie mit dem historischen Zentrum Wiens. Zugleich gehört sie zur Bildungs-, Wirtschafts- und Frauengeschichte der Stadt, weil hier Ausbildung, Erwerbsmöglichkeiten und kunstgewerbliche Produktion auf bemerkenswerte Weise zusammenliefen.[9]

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Quellen