Alte Welt

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Alte Welt
Künstlervereinigung
Gründung 1883
Behördliche Anerkennung Bescheide der niederösterreichischen Statthalterei vom 29. Mai 1884 und 17. Jänner 1889
Art gesellige Gesellschaft junger Künstler
Ursprüngliches Vereinslokal Gasthaus Alte Welt, 4., Paniglgasse 17
Späteres Vereinslokal vor 1900: 4., Schleifmühlgasse 3
Vereinshaus ab 1912: 6., Windmühlgasse 16
Geistige Vorgänger Albrecht-Dürer-Verein und Hesperus
Auflösung 2. August 1960

Die Alte Welt war eine Wiener Künstlervereinigung, die 1883 als gesellige Gesellschaft junger Künstler gegründet wurde. Sie verstand sich als geistige Nachfolgeorganisation des Albrecht-Dürer-Vereins und des Hesperus. Anders als bei älteren Künstlervereinigungen traten hier die eigentlichen künstlerischen Anliegen zunehmend hinter die Pflege der Geselligkeit zurück, auch weil viele Mitglieder bereits der Genossenschaft bildender Künstler Wiens angehörten und dort ausstellten.

Geschichte

Die Vereinigung entstand im gleichnamigen Gasthaus Alte Welt auf der Wieden, 4., Paniglgasse 17. Zu den Gründern zählten Alexander D. Goltz und Arthur Strasser. Die behördliche Anerkennung erfolgte durch Bescheide der niederösterreichischen Statthalterei vom 29. Mai 1884 und 17. Jänner 1889.

Die Alte Welt war weniger ein Ausstellungsverein als ein Ort der Zusammenkunft. Man veranstaltete Theater- und Unterhaltungsabende und besuchte gemeinsam die Gschnasfeste im Künstlerhaus. Darin spiegelt sich ein Aspekt des Wiener Kunstlebens des späten 19. Jahrhunderts, in dem Vereinsgeselligkeit, Künstlernetzwerke und öffentliche Feste eng miteinander verbunden waren.

Noch vor der Jahrhundertwende übersiedelte die Vereinigung in die 4., Schleifmühlgasse 3. Ein entscheidender Schritt folgte 1912 mit dem Ankauf des Zinshauses 6., Windmühlgasse 16. Der dafür benötigte Betrag wurde durch Einnahmen aus Festivitäten sowie durch Spenden von Künstlern und Mäzenen aufgebracht. Damit verfügte die Alte Welt erstmals über ein eigenes Haus, das zum Mittelpunkt des weiteren Vereinslebens wurde.

20. Jahrhundert

Der Weiterbestand des Vereins war auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gesichert. Bemerkenswert ist, dass es unter dem NS-Regime nicht zur Auflösung kam; vielmehr wurde der weitere Bestand am 26. Juni 1939 bewilligt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es vorübergehend zu Streitigkeiten über den Besitz des Hauses in der Windmühlgasse 16. Dennoch blieb der Verein aktiv. 1956 entstand mit der Kunstreise eine Tochtergesellschaft des Clubs, die dem Wunsch der Mitglieder nach internationalen Kontakten Rechnung trug. Organisiert wurden unter anderem gemeinsame Reisen zur Biennale nach Venedig sowie Museumsbesuche in europäischen Hauptstädten.

Anlässlich des 60-jährigen Bestands schuf Oskar Thiede 1943 eine Plakette. Die letzte Kunstausstellung des Vereins fand 1958 zum 75-jährigen Bestehen statt. Am 2. August 1960 wurde die Alte Welt schließlich aufgelöst.

Obmänner

Zu den überlieferten Obmännern der Alten Welt zählen unter anderem Carl Freiherr von Merode, Alexander D. Goltz, Johannes Benk, Raimund Wichera, Alois H. Schram, Carl Seidl, Josef Jungwirth, Albert Janesch, Max Neuböck, Karl Langer und Anton Marek.[1]

Bedeutung

Die Alte Welt war kein avantgardistischer Künstlerbund, sondern vor allem ein traditionsreicher Wiener Gesellschaftsclub mit starker Verankerung im Künstler- und Akademikermilieu. Gerade darin liegt ihre kulturgeschichtliche Bedeutung: Der Verein zeigt, wie eng Geselligkeit, Vereinswesen und Kunstbetrieb in Wien miteinander verflochten waren. Mit dem Haus in der Windmühlgasse 16 hinterließ die Vereinigung zudem einen konkreten städtischen Ort ihrer Geschichte.

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Quellen