Akademische Legion

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Akademische Legion


Körperschaft / historische Bezeichnung
Hauptbedeutung bewaffnete Vereinigung von Studenten und graduierten Mitgliedern der Universität Wien während der Revolution von 1848
Entstehung in der Nacht vom 13. auf den 14. März 1848
Zugehörigkeit Teil der Nationalgarde
Hauptquartier Aula
Gliederung fünf Korps: Juristen, Mediziner, Philosophen, Polytechniker, Kunstakademiker
Stärke im Mai 1848 rund 6.000 Mann, im Juli 1848 4.665 Mann
Weitere Bedeutungen 1914/15 freiwillige Akademische Legion an der Universität; in der Zwischenkriegszeit Bezeichnung für akademische Formationen in verschiedenen politischen Verbänden

Die Akademische Legion ist vor allem als bewaffnete studentische Vereinigung der Wiener Revolution von 1848 bekannt. Der Begriff wurde jedoch auch später noch verwendet, nämlich für eine kurzlebige Freiwilligenformation an der Universität Wien zu Beginn des Ersten Weltkriegs und für mehrere politische beziehungsweise paramilitärische Gruppierungen der Zwischenkriegszeit.

Die Akademische Legion von 1848

Nach dem Ausbruch der Revolution bildeten Studenten und graduierte Mitglieder der Wiener Hochschulen in der Nacht vom 13. auf den 14. März 1848 die Akademische Legion. Sie wurde als Teil der Nationalgarde organisiert und verstand sich als Schutzmacht der revolutionären Errungenschaften, aber auch als Garantin von Ordnung und Sicherheit in der Stadt. Hauptquartier der Legion war die Aula der Universität, die sich in diesen Monaten zu einem der wichtigsten politischen Zentren Wiens entwickelte.

Die Legion war in fünf Korps gegliedert, die den juristischen, medizinischen und philosophischen Fakultäten sowie dem Polytechnischen Institut und der Akademie der bildenden Künste entsprachen. Jedes Korps umfasste mehrere Kompanien, deren Führer gewählt wurden. Der Legionskommandant wurde vom Oberkommandierenden der Nationalgarde ernannt. Zunächst war dies Ferdinand Graf Colloredo-Mannsfeld, ab Mai Oberst Anton Pannasch und ab Oktober der Maler Josef Aigner. Feldkaplan der Akademischen Legion war Anton Füster.

Im Mai 1848 umfasste die Akademische Legion rund 40 Kompanien mit insgesamt etwa 6.000 Mann; im Juli waren es noch 31 Kompanien mit 4.665 Mann. In der Öffentlichkeit genoss der Legionär ein hohes Ansehen. Die Aula wurde zu einem Ort von Versammlungen, politischen Debatten und revolutionären Initiativen. Besonders in den Maitagen 1848 traten die Studenten offen als politischer Machtfaktor hervor.

Große Bedeutung erlangte die Sturmpetition vom 15. Mai 1848, die sich gegen den ersten Verfassungsentwurf richtete. Die Regierung reagierte mit dem Beschluss zur Auflösung der Akademischen Legion am 25. Mai. Barrikadenbau und die Mobilisierung von Vorstadtgarden erzwangen jedoch die Rücknahme dieses Schritts. Im Oktober 1848 stand die Akademische Legion erneut in den Reihen der Revolutionäre und beteiligte sich an der Verteidigung Wiens gegen die Truppen des Fürsten Alfred Windisch-Graetz. Nach dem Fall der Stadt streckten am 30. und 31. Oktober die letzten Legionäre die Waffen.

Nach der Niederschlagung des Oktoberaufstands wurde die Aula vom Militär besetzt. Das Gebäude blieb bis 1856 Kaserne und wurde erst danach wieder freigegeben. Damit endete auch institutionell die Geschichte der Akademischen Legion von 1848. [1] [2] [3] [4] [5]

Akademische Legion 1914/1915

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde am 5. August 1914 an der Universität Wien erneut eine Akademische Legion geschaffen. Sie war für den freiwilligen Frontdienst gedacht; zu ihrer Ausbildung wurden Chargenschulen eingerichtet. Diese Formation bestand jedoch nur kurze Zeit und verschwand bereits 1915 wieder.

Zwischenkriegszeit

In der Zwischenkriegszeit tauchte die Bezeichnung Akademische Legion erneut auf, nun allerdings in einem anderen politischen Umfeld. Akademische Legionen bestanden in der Heimwehr, im Republikanischen Schutzbund, in der Frontkämpfervereinigung und in den Ostmärkischen Sturmscharen. Der Begriff bezeichnete nun keine einheitliche Organisation mehr, sondern studentische oder akademische Formationen innerhalb verschiedener politischer Lager.

Bedeutung

Die Akademische Legion von 1848 gehört zu den bekanntesten Symbolen der Wiener Revolution. Sie steht für die politische Mobilisierung der Studentenschaft, für die zentrale Rolle der Universität im Revolutionsgeschehen und für die enge Verflechtung von Wissenschaft, Bürgertum und Politik in Wien des 19. Jahrhunderts. Zugleich zeigt die spätere Wiederverwendung des Namens, wie stark der Begriff Akademische Legion als geschichtspolitisches Symbol nachwirkte.

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Quellen