Stephansdom: Die Nord-Seite
(Weitergeleitet von Die Nord-Seite)
Prinz-Eugen-Kapelle, auch Kreuzkapelle
Hier wurde 1736 Prinz Eugen begraben. In dieser Kapelle hängt ein Kruzifix mit echten Barthaaren. Die Legende sagt, der Bart sei immer wieder nachgewachsen, nachdem ihn fürsorgende Jungfrauen alljährlich am Karfreitag gestutzt hätten - man spricht daher von "Christus, dem der Bart wächst", die Kapelle wird auch "zu unseres lieben Herrn Haarwuchs" genannt. [1]
Zur Vertiefung: Stephansdom: Kreuzkapelle
Valentinskapelle
Oberhalb der Prinz-Eugenkapelle (Savoyenkapelle) befindet sich die Valentinskapelle. Sie ist auch als Reliquienkapelle bekannt, so liegen hier die Gebeine des Heiligen Valentin. Weiters gibt es hier ein Stück des Tischtuchs vom Letzten Abendmahl.
Zur Vertiefung: Stephansdom: Valentinskapelle
Bischofstor
Wie der Name schon sagt, trat hier nur der Bischof in den Dom ein, heute befindet sich hier der Domshop. Die Figuren am Tor sind der Tod, die Auferstehung und die Krönung Marias.
Aber auch Fremdenhass bildet sich hier ab: Die Heilige Barbara steht auf einem Juden, der nach Luft ringt, die Heilige Katharina mit dem Rad, die auf einen heidnischen Philosophen eintritt, und die heilige Euphemia, die mit ihren Füßen einen Drachen (Sinnbild für Protestanten) malträtiert.
Hier steht das Stifterpaar Katharina und Rudolf der IV. (daher auch der Name „Fürstenportal“), begleitet werden sie von weiblichen Heiligen – das Schiff hinter diesem Eingang nannte man das „Frauenschiff“. Katharina wurde mit 11 Jahren an den damals 19 jährigen Habsburger (der nur 26 Jahre alt wurde) vermählt.
Einige Rätsel des Doms gehen auf eben diesen Stifter Rudolf zurück. An der östlichen Wand des Bischofstores ließ er eine Geheimschrift anbringen. Sie ist entschlüsselt und verweist auf "Rudolf aus edlem Stamm, der Stifter". Sie sagt aus, dass sich hier (in dieser Kirche) auch sein Grab befindet.
"Hic est sepultus nobili stirpe dux Rudolphus fundator". Erst durch diesen Text erhielt Rudolf IV. den Beinamen "der Stifter".
Von besonderer Bedeutung ist der durch verehrungsvolle Berührung stark abgegriffene Kolomanistein, der unter Rudolf IV., dem Stifter, im Jahre 1361 eingemauert wurde.
Zur Vertiefung: Stephansdom: Das Bischofstor
Der Kolomanistein
Datei:Stephansdom Vienna July 2008 (37).JPG
Gleich am Türstock rechts des Bischofstores ist ein Stein eingemauert, darauf ist eine Inschrift zu sehen; sie ist jedoch schon ganz verwischt und kaum mehr leserlich. Darin heißt es, auf diesem Steine sei einst der heilige Koloman gemartert worden, die Legende berichtet dazu Folgendes:
- Einst wandelte ein fremder Königssohn, sein Name war Koloman, die Donau entlang, am Weg ins Heilige Land. In Stockerau war er müde und wollte in einer Herberge unterkommen. Da zu dieser Zeit gerade Viehdiebe und sonstiges Gesindel unterwegs waren, wurde der Wanderer vom wütenden Volk gefangengenommen, es hielt ihn für einen der Bösewichte. Er verstand die Sprache nicht, und niemand konnte seine fremdländischen Schriftstücke lesen, so landete er im Gefängnis und wurde gefoltert, weil die Richter der Meinung waren, er wolle sie nicht verstehen. Auf einem Stein hauchte Koloman als Folge der Folterung seinen letzten Atemzug, seine Leiche wurde von den Gerichtsknechten auf einem Baum aufgehängt.
- Nun geschah jedoch ein Wunder: Die schon verdorrten Äste des Baumes begannen wieder zu blühen, Singvögel sangen darauf fröhliche Lieder und kein Rabe machte sich an dem Leichnam zu schaffen. Als die Knechte dies dem Richter erzählten, kam dieser in Zweifel, ob der Jüngling nicht doch unschuldig gewesen wäre. Die Leiche wurde daher vom Baum genommen und in ein Grab gelegt. Bald erblühten auch am Grab die hübschesten Blumen, sogar das Hochwasser, das Stockerau heimsuchte, verschonte nur diesen einen Platz. Zu genau dieser Zeit kam der Waffenmeister Kolomans durch den Ort, auf der Suche nach seinem Herren. Als er erfahren hatte, wie es diesem ergangen war, erfasste ihn eine Schwermut und bald starb auch er.
- Als der Landesfürst davon erfuhr, befahl er sofort, beide Männer nach Melk bringen zu lassen und dort gemeinsam zu begraben. Als das Grab Kolomans geöffnet wurde, sah man das nächste Wunder: Der Leichnam war nicht verwest, es sah aus, als hätte sich Koloman gerade einmal schlafen gelegt. Mit einem großen Festzug wurden die beiden Männer nun nach Melk gebracht und feierlich bestattet. Der Stein jedoch, auf dem Koloman gestorben war, kam in die Stephanskirche und erinnert dort heute noch an ihn
Zur Vertiefung: Stephansdom: Der heilige Koloman
Mögliche Dürerzeichnung
Erst 2019 entdeckte man am Tor eine neue Besonderheit, eine Wandzeichnung aus dem frühen 16. Jahrhundert. Obwohl es keine Aufzeichnungen darüber gibt, dass Albrecht Dürer je Zeit in Wien verbracht hätte, erinnert die hier aufgefundene Zeichnung - laut Experten sogar eindeutig - an seinen Stil. Die Zeichnung zeigt eine Skizze eines Flügelaltars, an den Altarflügel sind die Heilige Katharina und die heilige Margarethe dargestellt. [3]
Zur Vertiefung: Stephansdom: Das Wandbild Albrecht Dürers
Abgang zu den Katakomben
Direkt neben dem Aufzug befindet sich der Abstieg zu den Katakomben des geheimnisvollen gotischen Meisterwerks. Die unterirdischen Begräbnisstätten geben mit der Bischofsgruft den Bischöfen des Stephansdoms die letzte Ruhestätte. Auch die Sarkophage des Herzog Rudolfs und weiterer Mitglieder aus dem Hause der Habsburger sowie auch Urnen mit den Eingeweiden der Habsburger, die zwischen 1564 und 1878 verstorben sind, werden in den Katakomben des Stephansdoms aufbewahrt.
Zur Vertiefung: Stephansdom: Die Katakomben
Leere Nische – die drei Tatermänner
Hinter dem Bischofstor befindet sich eine leere Nische, in der früher 3 Tatermänner (heidnische Götter - eigentlich Elfen) hinter Gittern standen. Vor der Anbetung wurde mittels einer Inschrift gewarnt, bis sie endgültig weggeräumt wurden. Im Volksmund wurde sie auch die „Nische von Luziferl, Spirifankerl und Spiriginkerl“ genannt.
- Die drei Teufel Luziferl, Spirifankerl und Spiriginkerl trieben sich auf dem Stephansplatz herum. Sie hatten allerlei Bosheiten im Sinn, neckten die Gläubigen, die zur Kirche eilten und versteckten den Steinmetzgesellen Hammer und Meißel.
- Endlich wurden die drei Teufel gefangen und an die Kirchenwand gebannt. Aus ihrer misslichen Lage konnten sie sich nicht befreien und mussten dort ausharren, bis sie zu Stein erstarrten.
Zur Vertiefung: Stephansdom: Luziferl, Spirifankerl und Spiriginkerl
Das Adlertor
Datei:Adlertor am Stephansdom in Wien.jpg
Das Adlertor ist der Eingang zum Frauenschiff und unter dem Nordturm gelegen. Der Name kommt daher, dass auf dem Turm eine Adlerfigur stand.
Das Metallstück außen wird als Asylring bezeichnet – ist ursprünglich jedoch ein Relikt einer Seilwinde, die für den Bau benötigt wurde.
Tatsächlich standen die Menschen, die sich hierher flüchteten unter dem Schutz der Kirche, wie es Leopold IV. Ende des 12. Jahrhunderts bestimmt hat. Daher kommt das Sprichwort „ich bin im Leo“.
1637 wurde durch Kaiser Ferdinand III. dieses Recht aufgehoben, weil zu viele Strafverfahren damit unmöglich gemacht oder verzögert wurden.
Zur Vertiefung: Stephansdom: Das Adlertor
Der unvollendete Nordturm, auch: Adlerturm
Datei:Stephansdom Nordturm 01.JPG
Den Bau leitete Meister Hans Puchsbaum, der Grundstein dafür wurde am 3. August 1450 durch Propst Simon von Klosterneuburg gelegt. Aufgrund der im Nordturm eingemeißelten Jahreszahlen in den nur wenig übereinanderliegenden Schichten lässt sich ein sehr langsamer Baufortschritt erkennen. Geplant war eine weitgehende Anpassung an den Südturm.
Der Nordturm wurde in der Regierungszeit Friedrichs dem III. erbaut. Dem sparsamen Herrscher sagt man nach, er habe bei der Errichtung des Turms verfügt, dass der sehr sauer geratene – und daher unverkäufliche und ungenießbare – Wein des Jahrgangs 1450 zum Anmischen des Mörtels verwendet werden solle. Diese Mischung, spöttisch auch Reisbeißer genannt, soll sich positiv auf das Fundament ausgewirkt haben. [5]
Im Gegensatz zum Südturm blieben die Arbeiten am Nordturm jedoch unvollendet. Sein Bau wurde im Jahre 1511 aus finanziellen Gründen eingestellt und der gotische Nordturm mit seinen 68,3 Metern Höhe erhielt lediglich zwischen 1556 und 1578 einen Abschluss im Stil der Renaissance (eine achteckige Haube mit Glockenhelm). Im 19. Jahrhundert wurde nochmals in Erwägung gezogen, den Turm weiter zu bauen, um ihn dem Südturm anzupassen, man verwarf die Pläne jedoch wieder.
Aber alles hat zwei Seiten und so ist es auch heute noch diese ganz besondere Asymmetrie der Architektur, die dem Stephansdom mit seinen ungleichen Türmen das charakteristische Aussehen verleiht. Der Nordturm des Steffls kann über 343 Stufen bestiegen werden, die Aussichtsplattform ist aber auch bequem per Aufzug erreichbar.
Seinen Namen erhielt der Turm übrigens von einem Adler, der die Kuppe des Turmaufsatzes bekrönt. [6]
Zur Vertiefung: Stephansdom: Der Nordturm, Stephansdom: Die Sage von Meister Puchsbaum und seinem Nordturm
Der Nordturm und der Zweite Weltkrieg
Als der Zweite Weltkrieg im April 1945 fast ganz Wien zerstörte, blieb auch der Stephansdom nicht verschont. Über den Nordturm, der damals eingerüstet war, kam in der Nacht vom 11. auf den 12. April Feuer in den Dom. Der Brand vernichtete das Wimpassinger Kreuz, das in der Turmhalle hing, das Dach und schließlich einen großen Teil der Kirche.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Turmhelm zu einer Glockenstube umgebaut, seit 5. Oktober 1957 findet sich hier die neue Heimat der Pummerin.
Die Pummerin
Am 26. April 1952 kam die neue Pummerin nach Wien und wurde tags darauf durch Kardinal Innitzer geweiht. Die 21 Tonnen schwere Glocke, die in der "Oberösterreichischen Glocken- und Metallgießerei“ in St. Florian bei Linz aus geborgenen Resten der alten Pummerin hergestellt worden war, ersetzte die alte Pummerin, die 1711 aus Kanonenkugeln gegossen worden war und dem Dombrand am 12.4.1945 zum Opfer gefallen war.
Die Pummerin wiegt 21 Tonnen und muss 21 Sekunden geschwungen werden, bis ein erster Glockenschlag zu hören ist. Sie läutet nicht nur zu Silvester, sondern auch an anderen Tagen im Jahr, wie an Allerseelen, am Stephanitag, am Ostersonntag, am Heiligen Abend, bei Wahl oder Tod eines Papstes – und bei Katastrophen mit Todesopfern, wie an 9/11.
Viel mehr Information zu der berühmten Glocke und den Tagen, an denen sie läutet ist auf der Seite Die Pummerin nachzulesen.
Zur Vertiefung: Die Pummerin
Die Barbara-Kapelle
Datei:Stephansdom Barbarakapelle Gewölbe 01.JPG
Hinter dem Nordturm liegt die, wahrscheinlich schon 1492 fertig gestellte, spätgotische Barbara-Kapelle – sie ist ein Meditationsraum und war ursprünglich dem heiligen Urbanus gewidmet. 1945 brannte die Kapelle restlos aus.
In den Kreuzbalken der Kapelle wurden ein Reliquiar mit Asche aus dem Konzentrationslager Auschwitz und ein weiterer mit Erde aus Mauthausen eingesetzt. Seit Mai 2009 befindet sich hier auch eine moderne Skulptur: Schwester Maria Restituta von Alfred Hrdliczka. Sie wurde als Nonne (Hartmann-Schwester) von den Nazis hingerichtet, weil sie sich als Oberschwester des Mödlinger Krankenhauses geweigert hatte, die Kreuze in den Patientenzimmern durch Hakenkreuze zu ersetzen.
Zur Vertiefung: Stephansdom: Barbarakapelle
Die Kruzifixkapelle und eine Gedenktafel zur Einsegnung von Mozart
Ein Blick durch die schmiedeeisernen Gitter lässt eine Gedenktafel erkennen.
An dieser Stätte
wurde des unsterblichen
W.A. Mozart
Leichnam
am 6. Dez. 1891 eingesegnet
Wr. Schubertbund 1931
Von hier aus wurde Mozarts Sarg mit einer Kutsche zum Sankt Marxer Friedhof gefahren.
Der Stephansdom hatte für Mozart einige wichtige Wegstationen begleitet – hier fand am 4.8.1782 die Hochzeit zwischen Wolfgang Amadeus und Constanze statt, und auch zwei ihrer Kinder wurden hier getauft. Die Stelle als Domkapellmeister, um die er sich einige Monate vor seinem Tod beworben hatte, erhielt Mozart nicht.
Auch für andere Musiker war der Stephansdom bedeutsam: Joseph Haydn kam als Achtjähriger hierher, um als Chorknabe seine Karriere zu beginnen. Bis zu seinem Stimmbruch erhielt er hier eine Gesangsausbildung.
Zur Zeit, als Haydn hier sang, wurde Antonio Vivaldi im Sterbebuch eingetragen.
Zur Vertiefung: Stephansdom: Kruzifixkapelle
Capistrankanzel
Von dieser Kanzel rief der Franziskaner Johannes von Capistrano die Wiener zum Aufstand gegen die Türken auf, damals stand die (Holz)Kanzel jedoch noch mitten am Friedhof.
Dieser heilige Mönch, ein Schüler Bernhardins von Siena, kam im Jahre 1451 nach Wien, um knapp vor dem Fall Konstantinopels gegen die Türken zu predigen und eine Reform des Minoritenordens durchzuführen. Capistran, der Schutzpatron der Rechtsanwälte, war zur damaligen Zeit ein berühmter Heerführer, Inquisitor und Judenverfolger. Capistran ging eher als zweifelhafter Heiliger in die Geschichte ein, indem er eine Geschichte über Hostienschändung erfand, am 2. Mai 1453 318 Juden gefangen nehmen ließ und von ihnen Geständnisse erfolterte. 41 ließ er am Scheiterhaufen verbrennen, die übrigen ließ er unter Einbehaltung ihres Vermögens aus der Stadt vertreiben.
Die Eichenholzkanzel wurde bereits 1548 als verfallen beschrieben, sie wurde später aus Stein nachgebildet und 1732 an den Dom gerückt. Die darüber angebrachte Monumentalgruppe der Gloria des Heiligen wurde 1737 von den Franziskanern angebracht. Sie zeigt Johannes von Capistran mit einer Fahne in der rechten Hand, er steht über einem besiegten Türken. Umgeben ist er von Waffen- und Fahnentrophäen und einem Putto. Die Künstler dieses Denkmals waren François Roettiers und Johann Josef Resler.
Ein kapellenartiger Vorbau befindet sich neben der Capistrankanzel, hier ist der Abgang zu den Katakomben.
Eine Ballade aus dem 19. Jahrhundert gibt noch mehr Aufschluss über Capistran.
Zur Vertiefung: Stephansdom: Capistrankanzel, Stephansdom: Gedichte, Ballade auf Capistran
→ weiter zu Stephansdom: Die Ost-Seite
← zurück zu Kategorie:Stephansdom - Außen
Quellen
- ↑ Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952, Nr. 88, S. 103
- ↑ Gabriele Lukacs: Wien. Geheimnisse einer Stadt, Rätselhafte Zeichen, verschlüsselte Botschaften, Pichler Verlag, 2014, Wien, S. 53
- ↑ https://wien.orf.at/stories/3021810/
- ↑ Bermann Moritz; Alt- und Neu-Wien. Geschichte der Kaiserstadt und ihrer Umgebungen. 1880: https://archive.org/details/altundneuwienge01bermgoog
- ↑ A. Realis: Geschichten, Sagen und Merkwürdigkeiten aus Wien's Vorzeit u. Gegenwart: Mit Benutzung vaterländischer Balladen von J. N. Vogel, Hagenauer, Wien, 1841. S. 35
- ↑ Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 1. Kremayr & Scheriau, Wien 1992, S. 20
- ↑ Bruno Reiffenstein (Fotograf), 1., Kriegszerstörung - Stephansplatz - Stephanskirche - Dachstuhl beim Nordturm, 1948, Wien Museum Inv.-Nr. 146968, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/1034665/)







